Malerische Gärten, die Mellah und andere Entdeckungen in und um Marrakesch

You are very lucky today“ sagt der nette Mann, den wir gerade nach dem Weg gefragt haben und zeigt auf einen Passanten, der wie zufällig vorbei kommt „this man is going to the same direction – he is a Berber – he will show you the way – no money, no Guide“. Dieses „Glück“ begegnet uns noch häufig in Marrakesch – aber wir gehen den Schleppern nicht ins Netz, bedanken uns freundlich und lassen uns weiter durch die Stadt treiben.  So entdecken wir immer wieder Neues, erleben Überraschungen und staunen.

Wir schlendern durch die  Straße der Schlachter, in der Schafe zerlegt und Hühner gerupft werden, beobachten Silberschmiede und Gerber bei ihrer Arbeit, trinken Berber-Whisky, wie man hier spaßhaft den Pfefferminztee bezeichnet und sind den Störchen auf der Stadtmauer ganz nah, während wir uns auf der Dachterrasse eines kleinen Restaurants die Tajine schmecken lassen, den traditionellen marokkanischen Eintopf mit viel Gemüse. Wir flanieren entlang der Stadtmauer und treffen sogar  König Mohammed persönlich – na ja, sagen wir mal, wir beobachten aus ca. 100 Meter Entfernung, wie er zufällig aus dem Palast kommt, in seinen Sportwagen steigt und begleitet von reichlich Polizeischutz zu einer Spritztour aufbricht. Im Unterschied zu seinem Besuch in Essaouira, sind wir bei diesem inoffiziellen Ausflug die einzigen Zaungäste. Gleich um die Ecke tauchen wir dann schon wieder in eine ganz andere Welt ein. In der Mellah, wie man die jüdischen Viertel in Marokko nennt, wohnen heute überwiegend arme muslimische Familien. 200 000 jüdische Berber und Araber, die über  fast fünf Jahrhunderte in den Mellahs lebten und unter dem persönlichen Schutz des Sultans standen, wanderten nach dem 6-Tage-Krieg wegen zunehmender Anfeindungen  nach Israel aus. Welten liegen auch zwischen der Medina und der Neustadt von Marrakesch mit ihren modernen Apartmenthäusern und dem wunderschönen Jardin Majorelle. Der nach seinem früheren Besitzer, dem französischen Maler Jacques Majorelle benannte Park, mit seinen  „majorelle-blauen“ Gebäuden, wurde von Yves Saint Laurent und seinem Partner Pierre Bergé  nach 20 Jahren aus dem Dornröschenschlaf geweckt und gehört heute zu den bekanntesten Attraktionen Marrakeschs. 

Allein die Gärten in und um Marrakesch sind eine Reise wert, so auch der Secret Garden, ein hinter hohen Mauern verstecktes Idyll mitten in der Medina mit Zitronen- und Orangenbäumen, die von einer tausendjährigen Wasserleitung bewässert werden. Ein besonderes Highlight ist der ca. 30km von der Medina entfernte Anima Garten, ein von André Heller gestaltetes Gesamtkunstwerk mit exotischen Pflanzen, originellen Installationen und bezaubernden Skulpturen. 

Ein Tagesausflug zu den Ausläufern des Hohen Atlas ins Ourika-Tal bringt uns dagegen in eine eher karge Gegend. Die kleine aber steile Bergwanderung zu den Wasserfällen von Asgaour und der Besuch einer Frauenkooperative in der Arganöl gepresst wird, lohnen auf jeden Fall einen Tagesausflug.

Jetzt sitzen wir schon wieder auf dem Flughafen und warten auf unsere Maschine, die uns heute zurück ins kalte Berlin bringen wird.

Der König, der König …

Ein Tag in Essaouira

Am Nachmittag erreichen wir Essaouira und finden die Stadt im Ausnahmezustand vor. Die Menschen drängeln sich hinter Absperrgittern am Straßenrand und rennen in Gruppen mal hier hin, mal dorthin. Der König, der König, wo ist der König? Die meisten sind extra aus dem Umland angereist, um einmal einen Blick auf ihr Staatsoberhaupt werfen zu können. Die Stadt, normalerweise ganz in blau-weiss getaucht, ist heute überall mit der roten marokkanischen Fahne beflaggt.

„M 6“, wie die Marokkaner ihren König Mohammed den VI nennen, hält sich ausgerechnet zur gleichen Zeit in der schönen Hafenstadt am Atlantik auf wie wir. Unser Stadtbummel gestaltet sich deshalb etwas schwierig, denn überall stossen wir auf Absperrungen. In der Mellah geht es ruhiger zu – hier scheint nichts den Alltag, der überwiegend mittellosen Bewohner zu stören. Nur wenige Touristen sind hier heute unterwegs, die blaue Farbe blättert von den Fassaden und Türen, Müll liegt in den Gassen und die Handwerker gehen unbeeindruckt vom Besuch des Monarchen ihrer Arbeit nach.

Weiter unten am Hafen treffen wir Hassan, einen kleinen zahnlosen Fischer, dem man ansieht, dass er hart arbeiten muss, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Hassan spricht zu unserer Überraschung ein fast fehlerfreies Deutsch. Er habe in den Achtzigerjahren in Deutschland gearbeitet, erzählt er uns, aber das Heimweh habe ihn zurück nach Marokko geholt. Von der Zeit in Deutschland sind ihm offensichtlich nur die guten Sprachkenntnisse geblieben – noch nicht einmal zu einem eigenen kleinen Fischerboot hat es gereicht. Die Arbeit als Fischer sei hart, aber auch schön, er sei gerne draußen auf dem Meer, läßt er uns wissen. „Wir Fischer mit den kleinen blauen Booten fischen noch sehr traditionell mit langen Leinen und Angelhaken – hauptsächlich Aale und Rochen“ erklärt er uns.

Noch am späten Abend herrscht ein reges Treiben auf dem Fischmarkt, der seinen ursprünglichen Charakter weitgehend beibehalten hat. Bald sollen hier aber die alten Hallen mit den blauen Toren modernen Restaurants weichen, läßt uns Hassan wissen.

Über den hohen Atlas auf der Karawanenhandelsstrasse nach Merzouga

Den ersten Schnee in diesem Winter sehen wir in Afrika – zugegeben, es sind nur kleine Schneeflecken am schattigen Strassenrand auf der Passstrasse über den 2260 Meter hohen  Tizi n’Tichka im Atlasgebirge. Der Pass gehört zum Toubkal Massiv, das mit mehreren 4000ern als das höchste Gebirgsmassiv Nordafrikas gilt. Mit einer kleinen Reisegruppe von sieben Personen und Abdul unserem Fahrer sind wir unterwegs auf der ehemaligen Karawanenhandelsroute, die von Marrakesch nach Timbuktu führt. Abdul spricht nicht viel, aber er lacht gerne und steuert uns auf kurvenreicher Straße sicher über die Berge.

Auf der anderen Seite der Passstrasse im Tal des Assif Ounila Flusses liegt die Kasbah von Isar Aït Ben Haddou. Eine Festung aus dem  11. Jahrhundert wie aus dem Bilderbuch. Kein Wunder, dass sich hier in der Nähe mehrere Filmstudios angesiedelt haben. Die Kasbah mit ihren überwiegend gut erhaltenen Lehm- und Steinbauten diente bereits in den 50er Jahren als Filmkulisse für „Lawrence von Arabien“ und „Alibaba und die vierzig Räuber“.

 „Ich habe schon in über 20 Filmen mitgespielt, wenn ihr wollt, gebe ich euch gerne ein Autogramm“, bietet uns Karim mit einem verschmitzten Lächeln an. Der sympathische junge Berber führt uns durch die Anlage, in der heute nur noch acht Familien leben, die ihren Lebensunterhalt vor allem mit dem Tourismus verdienen. Früher lebten hier jüdische Berber, die Handel trieben, zusammen mit muslimischen Handwerkern. 

Ein paar Kilometer weiter kommen wir in Ouarzazate an den „Atlas Filmstudios“ vorbei – ab hier geht es auf der Nationalstraße 10 weiter durch die karge Steinwüste und verstaubte Dörfer. Vereinzelt tauchen die ersten Nomadenzelte auf – viel häufiger sehen wir ab jetzt aber die Gefährte der „Grauen Nomaden“ auf der Straße – wir sind erstaunt über die vielen  Wohnmobile, die in dieser kargen Wüstenlandschaft unterwegs sind.

Die Nacht verbringen wir in der spektakulären Dadés-Schlucht. Mustafa und seine Freunde singen abends am Kaminfeuer melancholische Lieder zu Trommelrythmen. „Ein alter Mann, der oben in den Bergen in einem Höhlenhaus lebt, ist einsam und des Lebens überdrüssig, ab und zu kommt er ins Tal und singt sich seinen Schmerz vom Leib“, erzählt mir Mustafa. Er und seine Freunde hören ihm gerne zu und lassen sich von ihm zu eigenen sentimentalen Texten inspirieren. 

Am nächsten Morgen liegen noch knapp 300 km vor uns bis zu unserem Ziel. Bei Todkha biegen wir auf die Nationalstraße 12 ab, machen einen kurzen Abstecher in die Todkha Schlucht, mit ihren 300 Meter hohen Felswänden und besuchen die Lehmhäuser im alten Ortskern, in denen heute mittellose Nomaden leben. Im fruchtbaren Tal von Todkha blühen schon die Mandelbäume – viel zu früh in diesem Jahr. In den Gemüsegärten werden Kohlrabi, Karotten und Alfalfa angebaut,  dazwischen wachsen Feigen-und Pfirsichbäume. Nach einer kurzen Pause im Grünen geht es wieder weiter durch die steinige unwirtliche Wüste.  

Am späten Nachmittag erreichen wir unser Ziel Merzouga unweit der Grenze zu Algerien. Wir sind spät dran –  die Kamele warten schon auf uns. Schnell werden noch warme Klamotten in den kleinen Rucksack gepackt und dann geht es auch gleich los. Im warmen Abendlicht zieht unsere kleine Karawane durch die Sahara, angeführt von Mustafa, einem jungen Berber, der uns heute zu unserem Nachtlager am Rand der Sandwüste bringen wird. Die Schatten der Dromedare im Wüstensand werden immer länger – Sonnenuntergang in der Wüste – ein grandioses Erlebnis.

Sobald die Sonne weg ist, wird es kalt. Glücklicherweise habe ich meine Daunenjacke dabei. Probleme macht mir allerdings mein Hintern – ich hätte nie gedacht, dass der Kamelritt durch die Wüste so anstrengend werden würde. Wir sind schon 1,5 Stunden unterwegs und noch eine Stunde von den Zelten entfernt. Jetzt plagt mich auch noch ein Krampf im Oberschenkel, ich weiß nicht mehr wie ich sitzen soll. Inzwischen ist es dunkel geworden, Mustafa zeigt auf schwache Lichter in der Ferne „das sind unsere Zelte, noch 20 Minuten, dann sind wir da!“ Gott sei Dank, ich kann wirklich nicht mehr sitzen.  Sogar das Absteigen fällt mir schwer. Inzwischen ist es so kalt geworden, meine Finger sind schon ganz steif und meine Füße fühlen sich – trotz Wollsocken – wie Eisklötze an. Das warme Abendessen – es gibt Pasta und  Tajine mit Huhn und Gemüse – richtet mich wieder etwas auf. Aber meine Füße werden auch am Lagerfeuer draußen nicht richtig warm. Der Mond, der klare Sternenhimmel, die Konturen der Sanddünen – sie verlocken mich heute Abend nicht mehr – ich will nur noch unter eine warme Decke und schlafen. Die Temperaturen sinken in der Nacht unter den Gefrierpunkt – im ungeheizten Zelt kann es da schon etwas ungemütlich werden. Glücklicherweise gibt es massenweise Decken und meine Daunenjacke um die Füße gewickelt, ersetzt fast einen Schlafsack. Nur die Nase ragt noch aus dem Deckenberg, unter dem ich vergraben bin, hervor und fühlt sich an wie ein Eiszapfen. Die Nacht ist kalt und kurz. Um 6 Uhr klingelt der Wecker. Dick eingepackt, mit Mützen, Schals und Handschuhen versehen, ziehen wir ohne Frühstück im Dunkeln los. Das erste Stück gehen wir zu Fuß, um warm zu werden. Mein Gott, bin ich froh, dass ich so nicht bis nach Timbuktu reisen muß. Nach einer Stunde steigen wir wieder auf unsere Dromedare und erleben bald den Sonnenaufgang über der Wüste.

Marrakesch – das pralle Leben

Der Taxifahrer, der uns vom Flughafen zur Altstadt von Marrakesch bringt, hält am Stadttor Bab El Ksour, hier vertraut er uns einem Gepäckträger an, der unsere Taschen mit seiner Karre gekonnt durch die autofreie Medina manövriert. Eselskarren, Mopeds und Fußgänger drängeln sich durch die Gassen, in denen es immer wieder mal zu Engpässen kommt. Hier wird Granatapfelsaft gepresst, dort Gemüse verkauft, am Straßenrand werden Mopeds repariert, Schachfiguren geschnitzt, Bärte rasiert und Berperteppiche präsentiert. Schon der erste Eindruck von dieser Stadt, die schon immer einer meiner Sehnsuchtsorte war, ist berauschend. Die Farben, die Menschen, das bunte Treiben – in der Medina herrscht das pralle Leben.

In einer verwinkelten Sackgasse hinter einer kleinen Holztür verbirgt sich das Riad, in dem wir ein Zimmer gebucht haben. Im Gegensatz zum quirligen Treiben in den Gassen finden wir hier einen Ort der Ruhe und Entspannung vor. Im üppig begrünten Innenhof mit Wasserbassin zwitschern die Vögel und auf der Dachterasse laden Liegen und bunte Kissen dazu ein, sich ungestört die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Das Riad Lyla ist ein, für die Altstadt von Marrakesch typischer Stadtpalast, verziert mit Mosaiken, Ornamenten, geschnitzten Fensterläden und Kassettendecken.

So schön wie es hier auch ist, uns zieht es heute gleich wieder hinaus, in die Gassen der Medina und zum berühmten Gauklerplatz.

„Irgendwo hier haben wir damals unseren Sprinter geparkt“ erinnert sich Hans. 1973 war der Djemaa el-Fna, der zentrale Marktplatz von Marrakesch, noch nicht für Autos gesperrt. Es war die erste grosse Reise, die den jungen Abenteurer damals heraus aus Europa nach Marokko führte und es muss wahnsinnig aufregend gewesen sein, die Schlangenbeschwörer, Affenbändiger und all die exotischen Menschen auf dem Gauklerplatz zu beobachten.

Heute Nachmittag geht es auf dem großen Platz verhältnismässig ruhig zu, zur Zeit sind hier nicht viele Touristen unterwegs, die Schlangen liegen faul in der Sonne und die Gaukler mit ihren dressierten Affen stellen sich für ein paar Dirham in Pose und setzen auch mal ein Äffchen auf den Kopf eines Passanten.

„Wie sich die Zeiten geändert haben“, murmelt Hans vor sich hin, als wir auf dem Rückweg zu unserem Riad an einem Buchantiquariat vorbeikommen, in dem auch alte Illustrierte verkauft werden. „Damals freuten wir uns, wenn wir irgendwo ein drei Wochen altes Nachrichtenmagazin aufgetrieben haben, um Neuigkeiten aus der Heimat zu erfahren“ – heute saußen die Nachrichten sekundenschnell um den Erdball und der arme Händler bleibt wahrscheinlich auf seinen verstaubten Blättern sitzen.

Ein paar Stunden später, nachdem die Sonne untergegangen ist, machen wir uns noch einmal auf den Weg zum Gauklerplatz. Inzwischen tobt hier das Leben – jetzt sind alle da, wie damals 1973: die Trommler, die Geschichtenerzähler, die Hennafrauen, die Gebäckverkäufer mit ihren Karren voller Süssigkeiten und die zahlreichen Garküchen in denen Fleischspiesse, Couscous und gegrillte Ziegenköpfe angeboten werden. Die Wasserverkäufer mit ihren bunten Trachten verkaufen heute allerdings kein Wasser mehr, sondern nur noch die Erlaubnis sie zu fotografieren.

Irgendwann müssen wir dann aber doch den Rückweg zu unserer Unterkunft antreten. Inzwischen ist es kalt geworden, die meisten Händler in der Medina haben Feierabend gemacht und ihre Läden geschlossen. Jetzt sieht alles ganz anders aus – wir verlieren uns in der verwinkelten Altstadt, irren durch die Gassen, beginnen zu frösteln und finden erst zu später Stunde in unser – zum Glück – gut beheiztes Hotelzimmer zurück.

Au revoir, France

Heute geht unsere Frankreichreise zu Ende. Jeden Tag gab es Highlights auf dieser Reise. Mein persönliches Highlight an unserem vorletzten Reisetag in Frankreich ist der Einkauf im „Hyper U“. Ein Hypermarché ist ein besonders großer Supermarkt, in dem sogar die Einkaufswagen so gross sind, dass man besonders lange Arme braucht, um die Waren aus den Tiefen des Gitterkorbes  herauszufischen. Während sich Hans im Café Hyper U damit herumquält,  für welches der leckeren Törtchen er sich entscheiden soll, fülle ich den Einkaufswagen mit Cremont und Calvados, Pasteten und Pasten, Macarons und Tarte, mit Croutons und Vinigrette, mit Fischterrine und Fleur de Sel, mit Senf und Salami – Hans muß am Ende nur bezahlen und mir helfen alles im Auto zu verstauen.

Die letzte Nacht verbringen wir in der  elsässischen  Gemeinde Fessenheim, in der ich das letzte Mal in den 70er Jahren bei einer Demonstration gegen die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks war.  Die Anti-AKW-Bewegung nahm hier ihren Anfang. Bürger von beiden Seiten der Grenze (die gab es damals übrigens noch) wehrten sich gemeinsam gegen die geplanten Kernkraftwerke. Der Bau des AKW Whyl am Kaiserstuhl konnte verhindert werden, Fessenheim  wurde 1977 in Betrieb genommen und ist trotz anderweitiger Versprechungen leider immer noch am Netz – 2020 soll das Atomkraftwerk wohl nun tatsächlich dicht gemacht werden.

Meine Gedanken kreisen noch um dieses Thema, als wir schon längst auf der A5 durch die herbstliche Rheinebene Richtung Karlsruhe fahren. Ich finde, wir sind zu bequem geworden mit den Jahren – es ist höchste Zeit, dass wir uns von den jungen Klima- und Umweltaktivist/innen aufrütteln lassen und unseren Lebensstil und unser Konsumverhalten hinterfragen.  „Hyper U“ und „Fessenheim“ ein Denkanstoß!

„Wir wollen leben“
„Wir wollen leben“ Autorin Anfang der 80er Jahre bei einer Anti AKW Veranstaltung im „Dreyeckland“.   Dreyeckland ist eine Bezeichnung mit der – vor allem während der Anti Atomkraft-Bewegung in den 70er/80er Jahren – die Verbundenheit der Bevölkerung im Dreiländereck  Frankreich/Schweiz/Deutschland zum Ausdruck gebracht werden sollte. (Foto: Rolf Haid)

Stellplatz

Fessenheim: kostenloser Wohnmobilstellplatz GPS: N 47° 55′ 7″ E 7° 31′ 53″

Der Mistral, eine Halbe Brücke und ein römischer Tempel – Vom Luberon über Avignon durchs Rhonetal auf dem Weg nach Hause

Unser nächstes Ziel, Lourmarin, ist nur eine Autostunde von Marseille entfernt. Die Waldensergemeinde im Luberon, einer Gebirkskette von Kalksteinfelsen nördlich von Marseille, gilt als eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Kein Wunder, dass der Ort auch viele Künstler und Schriftsteller anzieht, an jeder Ecke stoßen wir auf Galerien und Ateliers. Auch Albert Camus lebte, in dem Dorf der drei Türme, das von einer mittelalterlichen Burg überragt wird. 

Einen kleinen Umweg nehmen wir auf unserer Rückreise gen Nordosten noch in Kauf, denn Avignon wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Bereits im 15. Jahrhundert wurde die berühmte Brücke der Stadt besungen, die damals noch mit einer Länge von 915 Metern über die beiden Flussarme der Rhone führte. Heute ist sie gerade einmal noch 120 Meter lang, endet mitten im Fluss und ist neben dem Papstpalast das bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Unser Campingplatz auf der  Île de la Barthelasse liegt gegenüber dem Stadttor – von hier können wir die Stadt bequem zu Fuss erreichen – mein Fahrrad wird jetzt erst wieder vom Fahrradständer genommen, wenn eine neue Felge in Aussicht ist. Der Mistral schüttelt in der Nacht unser Wohnmobil kräftig durch – ein Wunder nur, dass die riesigen Bäume auf dem Campingplatz die Nacht unbeschadet überstehen. Am nächsten Morgen ist wieder alles ruhig und wir steuern durch das Rhonetal Richtung Deutschland. 

Tournon-sur-Rhône mit seiner in einen Fels gehauenen Burg und einer beeindruckenden Fußgängerbrücke über die Rhone lohnt einen Zwischenstopp. 30 Kilometer südlich von Lyon, wählen wir Vienne als Übernachtungsplatz. Unser nächtlicher Spaziergang durch die Stadt führt uns entlang des Rhoneufers zur Altstadt mit ihren engen Gassen.  Die letzten Lokale schliessen gerade – um 20:30 Uhr ist die Stadt schon fast ausgestorben. Die imposante gotische Kathedrale Saint-Maurice  aus dem 12. Jahrhundert ist zwar innen noch beleuchtet, aber um diese Zeit natürlich nicht mehr zugänglich. Völlig unerwartet taucht plötzlich mitten in der Altstadt ein Römischer Tempel vor uns auf. Unsere Recherchen ergeben, dass es sich hier um eine der besterhaltenen Tempelanlagen des römischen Imperiums handelt, die den Göttern  Augustus und Livia gewidmet ist.

Stellplätze

Lourmarin: ruhiger Parkplatz beim Tennisclub GPS: N 43° 45′ 51″ E 5° 21′ 60″, Avignon:  Campingplatz Bagatelle, Chemin de Bagatelle, 84000 Avignon, GPS: N 43° 57′ 8″ E 4° 47′ 57″, Vienne: Wohnmobilstellplatz ca. 20 Minuten Fußweg von der Altstadt entfernt, GPS: N 45° 32′ 20″ E 4° 52′ 20″

Ein Wochenende in Marseille bei Freunden

 Unser Wohnmobil steht wieder einmal ganz privilegiert und sicher im Hof des alten Konsulats in Marseille während wir mit unseren Freunden S. und W. in der Abendsonne auf der Terrasse ihrer  repräsentativen Altbauwohnung sitzen und  den Blick über die Stadt und die Bergkette im Süden auf uns wirken lassen. Das Wochenende vergeht schnell – wir wandern gemeinsam auf einem felsigen Pfad entlang der Küste in Les Goudes im Süden der Stadt und müssen aufpassen, dass wir von den heftigen Böen des Mistrals, die am Samstag bis zu 60 km/h erreichen, nicht die Klippen hinunter geweht werden.

W. und Hans strampeln mit den Mountainbikes hinauf zu den Calanques, einem Kalksteinmassiv an der Küste bei Marseille, während S. und ich uns vom Flair der Altstadtgassen im Stadtteil Le Panier zu immer wieder neuen Fotoexperimenten hinreisen lassen.

Fotos von W. von den  Calanques findet ihr hier: https://pixelchampfotos.com/portfolio/parc-national-des-calanques-marseille/

Heute Abend genießen wir nun ein letztes Mal den Blick von der Terrasse auf Marseille, ehe wir uns in Richtung Norden verabschieden.