Lima – konfrontiert mit der Realität

3.1.2017 – 7.1.2017

Die letzte Etappe unserer Reise – den Flug von Puerto Maldonado über Cuzco nach Lima – genießen wir in der ersten Klasse – so ein gebrochener Fuß hat ja doch hin und wieder etwas Gutes 😉 Im Stadtteil Miraflores haben wir über Airbnb eine Vierzimmerwohnung in der Calle Berlin gemietet, in der wir zusammen mit unserem peruanischen Patensohn Diego, seiner Mutter Roxana und seinem kleinen Bruder Hector noch eine Woche verbringen, ehe wir zurück nach Deutschland fliegen. Das Wiedersehen mit Roxana und Diego nach 15 Jahren ist sehr emotional und wir freuen uns natürlich auch sehr, endlich den 13 jähriger Hector kennen zu lernen.

Dass hier in der Wohnung jetzt den ganzen Tag spanisch gesprochen wird, stellt am Ende unserer Reise noch einmal eine große Herausforderung für uns dar. Hans schlägt sich tapfer und macht deutliche Fortschritte, mich ermüdet es hin und wieder und ohne Mittagsschlaf halte ich das nicht durch! Muletas und rayos x sind übrigens die spanischen Worte, um die ich in den letzten Wochen meinen Wortschatz erweitert habe, die ich aber dennoch auf dieser Reise möglichst nicht mehr hören möchte! Heute lernte ich das 6. Krankenhaus auf dieser Reise von innen kennen, das ich nach neuerlicher Röntgenaufnahme (rayos x) zu meiner großen Freude ohne Krücken (muletas) verlassen durfte – welch wundervolles wieder gewonnenes Lebensgefühl!

Obwohl wir wissen, dass Roxanas Leben kein Zuckerlecken ist – wir unterstützen Diego, als Patenkind seit 15 Jahren – rühren uns die Geschichten vom alltäglichen Lebenskampf der drei sehr. Während man in Miraflores und San Isidro, den vornehmeren Stadtteilen Limas relativ unbesorgt und sicher leben kann, hat die Gewalt im Stadtteil Independencia, in dem unsere Freunde wohnen, in den vergangenen Jahren enorm zugenommen und Raubüberfälle enden häufig tödlich, wenn sich der Überfallene wehrt. Selbst die Polizei hat angeblich Angst vor den bewaffneten Banden, die häufig Minderjährige vorschicken, weil diese die Konsequenzen ihrer Taten nicht absehen können und deshalb besonders skrupellos sind. Auch Roxana und Diego sind schon mehrmals überfallen worden und leben in ständiger Angst. Die Adidas Schuhe, die wir den Jungs zu Weihnachten geschenkt haben, können sie in ihrem Stadtteil gar nicht tragen, denn damit wären sie sofort Opfer eines Überfalls.

Kontraste – Favela am Stadtrand und schickes Einkaufszentrum in Miraflores

Roxana absolviert zur Zeit noch ein Lehrerstudium und arbeitet nebenher in einer Grundschule bereits als Lehrerin – weil sie aber ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen hat, verdient sie gerade einmal den Mindestlohn von 850 Soles im Monat (ca. 250.-€), Davon kann sie sich und ihre Kinder kaum ernähren. Es besteht kaum Aussicht, irgendwann einmal aus dieser elenden Gegend herauszukommen, denn die Mieten in besseren Stadtteilen sind fast unbezahlbar. Einmal arm, immer arm – egal wie fleißig oder begabt man bist, die Chance in Peru beruflich und sozial aufzusteigen ist gering. So stellen wir am Ende unserer Reise wieder einmal fest, dass Reisen nicht nur bildet, sondern für den unbesorgten Touristen auch trügerisch sein kann. Alma M. Karlin, eine Österreicherin, die in den 20er Jahren allein um die Welt gereist ist, schreibt in ihrem Buch „Einsame Weltreise“: „Hauptbedingung für solche Studienreisen ist nicht Mut, sondern Ausdauer und die Kraft unbedingten Ertragens aller Widerwärtigkeiten.“ 1)

Außer meinem gebrochenen Fuß müssen wir glücklicherweise keine „Widerwärtigkeiten“ ertragen und im Gegensatz zu Alma Karlin sind unsere Erfahrungen mit den Menschen auf dem lateinamerikanischen Kontinent überwiegend positiv, aber die „Widerwärtigkeiten“ denen die Menschen hier ausgeliefert sind, werden uns in dieser letzten Woche noch einmal deutlich vor Augen geführt.

1) Alma M. Karlin – „Einsame Weltreise“, Freiburg im Breisgau 1995

Infos:

Unterkunft über Airbnb in Miraflores

Klinik: Clínica San Judas Tadeo, Calle Manuel Raygada #170, san Miguel, Lima 32

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